Die Aufnahme gefundenen Wildes stellt für manche
Finder eine besondere Herausforderung dar. Das richtige Vorgehen beim Fund ist
für das Wildtier und dessen Prognose entscheidend.
Es ist daher bereits vor
Eintreten einer Fundsituation nötig sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Die Vorbereitungen hierzu beginnen jedoch nicht
erst beim Zusammenstellen von Ausrüstungsgegenständen zur Aufnahme wie
beispielsweise Transportboxen, Handschuhe usw., sondern sie beginnen zuerst auf
theoretischer Ebene.
Vor dem Fund ist es essenziell sich vorab über
folgende Grundsatzfragen bzw. Schlüsselwörter Gedanken zu machen:
- Verfüge
ich über das notwendige Wissen, um zu entscheiden, ob ein Tier Hilfe benötigt,
um es aufzunehmen und zu versorgen?
- Ist das
gefundene Tier in einer Notsituation?
- Welche
Unterbringungsmöglichkeiten kann man dem Tier im Anschluss an eine Aufnahme/ Behandlung bieten?
- Wie ist
die Langzeitprognose bzw. die Wildbahntauglichkeit nach einer evtl. Genesung?
Das Wissen um die Tierarten deren Biologie, sowie
deren Jagdzeiten und Fortpflanzungszeiträume können hierbei wertvolle Hilfen
sein. Falls man sich als Finder nicht sicher ist, kann man sich gleich zu
Beginn des Fundes an Anlaufstellen wie Auffangstationen, Tierkliniken,
Tierarztpraxen oder den Jagdausübungsberechtigten wenden. Hier finden sie oft schon am Telefon kompetente Beratung und können sich wertvolle Tipps aus dem praktischen Umgang mit Wildtieren holen.
Aufgrund des Aneignungsrechts muss ohnehin der Jagdausübungsberechtigte im Rahmen des Fundes von verletztem Wild gem. §2 BJagdG kontaktiert
werden.
Die Mitnahme von Wild gem. §2 BJagdG stellt
rechtlich den Tatbestand der Wilderei dar. Bei der Kontaktaufnahme können entweder die
unteren Jagdbehörden, die Polizei oder die Veterinärämter weiterhelfen.
Der Jagdausübungsberechtigte hat das
Aneignungsrecht und nur nach Freigabe des Wildes ist eine eventuelle
strafrechtliche Verfolgung im Rahmen der Wilderei auszuschließen.
Der Kontakt zum Jagdausübungsberechtigtem und ggf.
anderen Anlaufstellen wie Auffangstationen, Tierklinken etc. kann in manchen
Situationen bereits telefonisch Abhilfe verschaffen. Denn nur allzu oft werden
durch falsche Einschätzung der Lage Wildtiere ohne triftigen Grund aufgrund von
fehlendem Wissen der Wildbahn entnommen und als hilfsbedürftige Tiere in Kliniken,
Praxen und Auffangstationen sowie Tierheime gebracht.