Umweltpädagogik

Mythen und Begriffe

Wildvögel

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Begriffe

Nestlinge

Die Nestlingsphase ist die Zeit zwischen Schlupf aus dem Ei und Verlassen des Nestes. Fast alle Nestlinge sind nach dem Schlupf unbefiedert, die Augen und die Gehörgänge sind geschlossen und sie sind auf die Wärme ihrer Eltern angewiesen, da sie die eigene Körpertemperatur nicht selbständig aufrechterhalten können. Sie sind außerdem auf die Fütterung der Elterntiere angewiesen. 

Fütterung von Kohlmeisen Ästlingen

Hier sehen und hören Sie die typischen "Bettelrufe" junger Kohlmeisen, die die Bruthöhle bereits verlassen haben. Sie werden weiterhin von ihren Eltern mit Futter versorgt. Auch Jungtiere, die den Geschwistern noch nicht aus der Bruthöhle gefolgt sind, werden weiterhin von den Eltern versorgt. Bitte NICHT eingreifen bei vermeintlich verlassenen Küken im Nest! Die Fütterungen dauern nur wenige Sekunden und ein Beobachten muss aus großer Entfernung möglichst getarnt erfolgen, um die Elterntiere nicht zu verunsichern!
Bei manchen Vogelarten verlassen die Jungtiere das Nest/ die Bruthöhle bereits voll flugfähig z.B. Meisen, Stare, Sperlinge, Schwalben und Mauersegler.

Fütterung von Turmfalken Nestlingen

Hier sehen und hören Sie die typischen "Bettelrufe" junger Turmfalken. Das Nest wurde durch einen Sturm zerstört und alle vier Nestlinge wurden durchnässt am Boden gefunden. Das Anbringen eines Ersatzhortes war nicht möglich.
 
Turmfalken ernähren sich hauptsächlich von Kleinsäugern, aber auch von anderen Vögeln und Insekten. Hier werden die Vier mit gewöllearmen (ohne Fell, Kopf und Gliedmaßen) Stücken von Mäusen mittels Pinzette gefüttert. Einige Tiere haben einen farbigen Ring am Bein, zur besseren Unterscheidbarkeit. Die Ringe werden vor der Auswilderung wieder abgenommen. 

"Wenn man ein Vogeljunges anfasst, wird es von seinen Eltern verstoßen."

DAS IST FALSCH!

Dieser Mythos hält sich hartnäckig in den Köpfen der Menschen. Doch die Wahrheit ist, dass man aus dem Nest gefallene unverletzte Nestlinge wieder in das Nest setzen darf und sogar sollte, sofern man einige Dinge dabei beachtet!

Der menschliche Geruch am Jungtier führt nicht zur Ablehnung des Jungtieres durch die Elterntiere. Der Instinkt der Eltern die Nachkommen weiterhin zu versorgen und großzuziehen ist deutlich stärker ausgeprägt. Die Jungtiere sind dringend auf die Wärme, die Fütterung und den Schutz ihrer Eltern und Geschwister angewiesen und die Aufzucht von unverletzten Nestlingen durch die Elterntiere ist IMMER der Aufzucht durch Menschenhand vorzuziehen. 
Beim Zurücksetzen in das ursprüngliche Nest müssen einige Dinge beachtet werden! 
1. Das Nest muss das Ursprungsnest sein. Ein Einsetzen in ein Nest einer anderen Vogelart, sollte unbedingt vermieden werden.
2. Das Nest sollte unzerstört und gut erreichbar sein.
3. Der Zeitpunkt des Zurücksetzens sollte so gewählt werden, dass die anderen Jungtiere und Elterntiere nicht verschreckt werden, dies kann zur Aufgabe der Brut führen. Es sollten zusätzlich keine Fressfeinde auf das Nest aufmerksam gemacht werden.
4. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass das Nest beim Zurücksetzen nicht beschädigt oder sogar zerstört wird. 
5. Ist das Ursprungsnest zerstört, nicht auffindbar oder zu erreichen, sollten die Jungtiere an fachkundige Tierärzte/innen, fachkundige Personen oder eine Wildtierauffangstation übergeben werden.

To​p 9
der größten Irrtümer zum Thema 
"Vogelschlag an Fensterscheiben"!

1.
„Vogelschlag ist selten und betrifft nur wenige Vögel“ 

In Deutschland verunglücken jährlich ca. 100 Millionen Individuen an Glasflächen. Dies entspricht über 5 % aller Vögel, die im Jahresverlauf in Deutschland vorkommen. Schätzungen zufolge sterben allein in den USA jährlich 365 Millionen und 1 Milliarde Vögel durch Kollisionen mit Fensterscheiben. Das macht es zu einem erheblichen Problem für den Vogelschutz.

2.​ 
„Vogelschlag passiert nur im Herbst und Frühling“

Vogelschlag kann das ganze Jahr über passieren. Während der Frühjahrs- und Herbstmigration steigt die Zahl der Kollisionen, da viele Vögel auf ihren Zugrouten unterwegs sind, aber auch im Sommer und Winter kollidieren Vögel mit Fenstern, insbesondere wenn sie im städtischen Raum leben.

3.
„Nachts schlafen Vögel und fliegen nicht gegen Fenster“

Besonders Zugvögel, die nachts reisen, können von hell beleuchteten Fenstern oder Gebäuden angelockt werden und mit den Fenstern kollidieren. Das Licht verwirrt sie, und sie verlieren ihre Orientierung. Deswegen ist es wichtig, nachts das Licht in Gebäuden zu minimieren, um Kollisionen zu reduzieren.

4.
„Vogelschlag betrifft nur junge und kleine Vögel“


Vogelschlag betrifft Vögel aller Größen, Arten und Altersgruppen. Der Standort eines Gebäudes bestimmt je nach seiner Attraktivität für Vögel deren Häufigkeit und die Artenzusammensetzung. Zwar sind kleine Singvögel häufiger betroffen, aber auch größere Arten wie Greifvögel oder Eulen können mit Glas kollidieren. Große Vögel können sogar noch schwerere Schäden an sich selbst und am Gebäude verursachen.

5.
„Vogelschlag passiert nur in städtischen Gebieten mit vielen Gebäuden“

Vogelschlag ist nicht nur auf Städte beschränkt. Mehrere Studien fanden heraus, dass es höhere Kollisionsraten an Gebäuden mit umgebenden Grünflächen, an Ortsrändern oder im Außenbereich gibt. Das Risiko von Kollisionen an unmarkierten Glasscheiben steigt mit der Gehölzbedeckung der Umgebung und mit abnehmendem Abstand der Fassade zu Gehölzen. 

6. 
„Vögel lernen aus Kollisionen und vermeiden diese in Zukunft“

Glasscheiben, die Bäume, Landschaften oder den Himmel spiegeln oder eine freie Durchsicht auf die hinter ihnen liegende Umgebung bieten, kommen in der Natur nicht vor. Demzufolge konnten Vögel keine Anpassungen entwickeln, Glas wahrzunehmen und Kollisionen zu vermeiden. Bei Fluggeschwindigkeiten von 30 bis 60 km/h führt dies dazu, dass wenig Reaktionszeit zum Ausweichen vor einem im letzten Augenblick erkannten Hindernis bleibt.

7.
„Vogel Silhouetten Fensteraufkleber reichen aus, um Vogelschlag zu verhindern“

Markierungen, die nicht über die gesamte Glasfläche angebracht sind, verringern Vogelverluste nicht oder nicht ausreichend. Die Vögel weichen den Hindernissen ein paar Zentimeter danaben aus und prallen gegen das Glas daneben.Einzelne Aufkleber, z. B. in Form von Raubvogel-Silhouetten, reichen also nicht aus, um Vogelschlag zu verhindern. Der Abstand zwischen den Markierungen sollte klein genug sein, damit die Vögel die Scheibe als Hindernis erkennen.

8.
„Das Anbringen von Pflanzen oder Vorhängen hinter dem Fenster verhindert Vogelschlag“

Das Platzieren von Pflanzen oder Vorhängen hinter dem Fenster verhindert die Kollisionen nicht. Die Spiegelung der Vegetation auf der Außenseite der Fenster ist entscheidend für den fatalen Irrtum und Aufprall der Vögel an Glasflächen. Beleuchtete Räume mit innenliegender Bepflanzung stellen sogar zusätzliche tödliche Fallen dar. Während der Dämmerungsphase werden diese als vermeintliche Ruhestätte angeflogen.

9.
„Die seltene Scheibenreinigung verhindert Vogelschlag ganz sicher“


Alltagsschmutz auf Glasscheiben führt in der Regel nicht zur einer hinreichenden Reduzierung von Vogelkollisionen. Die Spuren einer Kollision sind an den ungepflegten Glasflächen oftmals besonders gut zu erkennen. Allerdings muss festgestellt werden, dass frisch gereinigte Scheiben ein besonders hohes Kollisionsrisiko aufweisen. Aus diesem Grund empfiehlt sich das Putzen der Scheiben vor allem zu Zeiten geringer Vogelaktivität und in grossen Zeitabständen.

 


Interaktives Tutorial "Wildtier gefunden, was tun?" für Öffentlichkeit und Einsatzkräfte - Copyright Klinik für Vögel, Kleinsäuger, Reptilien und Zierfische - LMU München und Wildtierhilfe Bayern e.V.