Geschehen Fehler in der Unterbringung, der medizinischen und nutritiven Versorgung, in der Wahl des Zeitpunktes und der Art und Weise der Wiederauswilderung, kann dies die Zeit bis zur erfolgreichen Wiederauswilderung deutlich verlängern oder im schlimmsten Falle zum Tode oder einer tierschutzindizierten Euthanasie führen. Es bedarf der Beachtung vieler verschiedener Komponente bei der fach- und tierschutzgerechten Wildtierversorgung. Im Folgenden sind einige zentrale Punkte aufgeführt:
Die korrekte Bestimmung der Art, des ungefähren Alters und des Geschlechtes sind enorm wichtig für die Art der Unterbringung und Fütterung. Passieren hier bereits Fehler, kann dies zum Tod des Findlings führen.
Der korrekte Umgang mit dem Wildtier ist nicht nur aufgrund des Eigenschutzes sehr wichtig, sondern auch aufgrund der nicht unerheblichen Verletzungsgefahr der Wildtiere bei unsachgemäßem Handling. Eine so zusätzlich entstandene Verletzung kann zur Verschlechterung der Prognose oder gar zum Tod oder zur tierschutzindizierten Euthanasie führen.
Auch die Unterbringung der hilfebedürftigen Wildtiere muss der Art und dem Alter angepasst, ohne Verletzungsrisiko für den Pflegling und Pflegenden oder unnötigem Stress für das Wildtier, geschehen. Des Weiteren muss die Sinnhaftigkeit einer Einzelhaltung bei bestimmten Wildtieren hinterfragt werden und eine gemeinsame Unterbringung mit Tieren der selben Art und möglichst ähnlichem Alter zur erfolgreiche Rehabilitation und somit Wiederauswilderung erfolgen.
Bei der Fütterung muss den natürlichen Bedürfnissen der Pfleglinge alters- und artspezifisch nachgekommen werden. Fehler können zu irreversiblen Schäden, zum Tod oder zur tierschutzindizierten Euthanasie des Wildtieres führen.
Genaue Kenntnisse über die Lebensweisen der Pfleglinge, die Art und Weise der Auswilderungsvorbereitung und das Vorhandensein der notwendigen Räumlichkeiten/ Volieren/Gehegen sind unabdingbar. Laut Tierschutzgesetz muss das Tier vor der Wiederauswilderung die vollständige Selbständigkeit erlernt haben. Es ist außerdem darauf zu achten, zu welcher Jahreszeit, davon abhängig ist oftmals das Nahrungsangebot, die Wiederauswilderung geplant wird.
Eine regelmäßige und korrekte Reinigung und Desinfektion muss während der Versorgung und Unterbringung von Wildtieren durchgeführt werden. Somit können neuerliche Erkrankungen durch Infektionserreger verhindert werden und die Rehabilitationszeit auf das Minimum reduziert werden.
Ein bei einem Verkehrsunfall verletzter Feldhase wurde aufgelesen und in einer Tierarztpraxis vorgestellt. Aufgrund der Diagnose Beckenbruch und Querschnittslähmung riet der Tierarzt zur Euthanasie. Der Finder lehnte dies ab und pflegte den Hasen eine Woche in einem handelsüblichen Kaninchenkäfig, bevor er ihn in einer Wildtierstation vorstellte. Die Eingangsuntersuchung ergab komplett gelähmte Hinterbeine, der Hase saß im eigenen Kot und Urin, sodass sich bereits ein Fliegenmadenbefall in der Analregion eingestellt hatte. Eine Aufklärung des Finders blieb erfolglos. Als dieser den Hasen nicht wieder mit nach Hause nehmen konnte und das Tier stattdessen eingeschläfert wurde, erstattete der Finder Anzeige gegen die Auffangstation beim Veterinäramt.
Auf dem ersten und dritten Bild sehen Sie junge Säugetiere (Rotfuchs und Steinmarder) auf dem Schoß bzw. Arm einer die Tiere streichelnden Person. Auf dem zweiten Bild sitzt ein Rabenkrähenästling auf dem Arm einer Person und bettelt den Menschen bereits um Futter an. Ein Verhalten welches Ästlinge eigentlich ihren Eltern gegenüber zeigen. Auf dem letzten Bild sieht man ein Kohlmeisenästling auf der Hand einer Person sitzen. Diese Beispiele erscheinen im ersten Augenblick "niedlich", können aber eine erfolgreiche Wiederauswilderung erschweren oder verhindern. Eine Fehlprägung kann auch entstehen, wenn Wildtiere unterschiedlicher Arten gemeinsam gehalten werden oder eine gemeinsame Haltung von Haus- und Wildtieren erfolgt. Der Kontakt des Menschen und deren Haustiere zu Wildtieren, muss unbedingt auf ein Minimum reduziert werden!
Die junge Elster auf dem ersten Bild wurde aufgrund des Verdachts eines Wirbelsäulentraumas durch eine Finderin mit diesem "improvisierten" Verband mehrere Tage im Wohnzimmer "versorgt". Im Gespräch gab die Finderin an, dass Kinder mit dieser jungen Elster "Fußball spielten". Nach Abnahme des "Verbandes" war die Elster weder steh- noch gehfähig. Der unsachgemäße, über mehrere Tage angelegte Verband führte zu einem irreversiblen Haltungsschaden. Das Tier war auch nach einigen Tagen und intensiver Physiotherapie nicht in der Lage sich eigenständig zu stehen, sitzen, sich fortzubewegen oder Futter aufzunehmen.
Der Igel auf dem rechten Bild wurde mehrere Tage durch einen Finder mittels Wundpuder und Desinfektionsmittel "behandelt". Die Wunde war hochgradig infiziert und die weißlichen Strukturen stellten sich als viele hundert Fliegeneier und teilweise bereits entwickelte Maden, welche sich vom abgestorbenen Gewebe ernährten, dar. Weitere Maden hatten sich bereits unter die Haut "gefressen" und der Igel zeigte bereits Vergiftungserscheinungen durch die Infektion.
Beide Tiere mussten von ihrem Leid erlöst werden und wurden euthanasiert (eingeschläfert).
Die Unterscheidung zwischen einer Wildkatze und einer wildfarbenen Hauskatze, vor allem während der Jungtierzeit, ist nicht immer einfach, aber dem Tierwohl zuliebe dringend notwendig. Erkennen Sie die Wildkatze und den "Stubentiger"? Wo liegen die Unterschiede? Die Form und Musterung des Schwanzes, der Rücken, die Statur und das Verhalten liefern Hinweise für die Bestimmung. Im zweiten und dritten Bild sehen Sie eine Wildkatze, das erste Bild zeigt einen Europäischkurzhaar Kater.
Durch eine Verwechslung kann es zu Tierleid und durch das Abwehrverhalten des Wildtieres zu Verletzungen der "Halter" kommen.
Hier gehts zum Steckbrief der Wildkatze.
Die ersten beiden Bilder zeigen Nestlinge. Im letzten Bild sieht man junge Vögel, welche sich bereits im Übergang zur Ästlingsphase befinden. Was, wieviel und wie oft fressen diese jungen Wildvögel eigentlich in diesem Alter? Zwei der abgebildeten Arten sind reine "Vegetarier", aber welche genau? Können Sie sie erkennen?
Die Unterscheidung von Vogelnestlingen ist mitunter sehr schwierig. Fehler dahingehend enden jedoch meist tödlich für den Pflegling oder haben weitreichende Folgen für das Federkleid und die Knochen der heranwachsenden Vögel. Das erste Bild zeigt Stieglitze, das dritte Grünfinken. Diese zählen zu den "Vegetariern" und haben während der Aufzucht andere Nahrungsansprüche als die Kohlmeisennestlinge im zweiten Bild. Junge Vögel müssen zu Beginn ihres Lebens alle 30-60 Minuten (je nach Alter und Art) gefüttert werden! Ein Full time Job!
Was sind Merkmale für Nestlinge und Ästlinge? Um welche Nestlinge und um welchen Ästling handelt es sich? Was fressen diese jungen Vögel eigentlich?
Die Unterscheidung zwischen einem Nestling und Ästling ist entscheidend, um die Hilfebedürftigkeit dieser Tiere in einer Fundsituation richtig einschätzen zu können. Hierzu ist es wichtig über die Bedürfnisse und das natürliche Verhalten der jungen Vögel Kenntnis zu haben. Im ersten Bild sehen Sie einen Amselästling, im zweiten Bild Kohlmeisennestlinge und im dritten einen Habichtskauzästling.
Dazu bitte Informationen unter "Mythen & Begriffe Wildvögel beachten"!
Auf dem ersten Bild sehen Sie eine gut strukturierte und optimal gestaltete Unterbringungsbox für einen jungen Ästling. Dieser muss nicht nur lernen auf Ästen zu sitzen und auf diesen Flugübungen zu betreiben, sondern auch Nahrung zu finden und selbstständig aufzunehmen, sein Gefieder zu reinigen, mittels Wasserbad, und vieles mehr. Im zweiten Bild sehen Sie einen Gitterkäfig, welcher völlig ungeeignet für die mittel- oder langfristige Unterbringung eines Vogels ist. Hier besteht die Gefahr, dass das Gefieder deutlichen Schaden nimmt. Im dritten Bild sieht man einen Inkubator in welchen ein junges Hermelin eingesetzt wird. Hier kann die Temperatur und Luftfeuchtigkeit ideal auf die Bedürfnisse der einzelnen Tierarten und unterschiedlichen Altersstufen angepasst werden.
Fliegend können Vögel Nahrung suchen oder Beute jagen, zu bestimmten Jahreszeiten in mildere Gefilde ziehen, Fressfeinden entkommen und vieles mehr. Damit dies alles funktionieren kann, benötigen sie ein intaktes, sauberes und gut ausgebildetes Gefieder.
Das erste und dritte Bild zeigt ein sauberes, intaktes und voll ausgebildetes Gefieder (erstes Bild Waldkauz, drittes linke Schwinge einer Mehlschwalbe). Das zweite Bild stellt ein Beispiel für ein stark geschädigtes, fehlentwickeltes, mit Stresslinien/ Mangelstreifen (Grimalen) übersätes Gefieder einer jungen Rabenkrähe dar. Dieses Tier wurde ungenügend und/oder fehlerhaft ernährt und die Federn haben während ihres Wachstums erheblichen Schaden genommen.
Im ersten Bild sehen Sie junge Entenküken, welche sich im Wasser relativ unauffällig, an Land allerdings mit einer deutlichen Lahmheit fortbewegten und die meiste Zeit am Boden lagen, wenig Bewegungsfreude zeigten. Die Röntgenbilder ergaben bei beiden Tieren Brüche der Oberschenkelknochen und Veränderungen weiterer Knochen wie z.B. der Wirbelsäule aufgrund ungenügender Kalzifizierung auf Basis fehlerhafter Ernährung und Haltung. Auch das letzte Bild zeigt massive Veränderungen der Knochen einer jungen Rabenkrähe. In beiden Fällen musste eine tierschutzindizierte Euthanasie durchgeführt werden.
Dazu bitte Informationen unter "Ethische Grundlagen - Euthanasie beachten"!In der Jungtieraufzucht spielt die richtige Wahl der Ernährung eine entscheidende Rolle. Wann bekommen die Pfleglinge, welche Nahrung? Welche Aufzuchtmilch wird bei welchem Tier verwendet? Weiterhin ist das Wissen über die richtigen Fütterungsintervalle, Fütterungsmengen pro Mahlzeit und die tägliche Rationsmenge und vieles mehr von entscheidender Bedeutung. Werden die Tiere mit der falschen Milch versorgt, kommt es zu schweren Verdauungsstörungen bis hin zum Tod. Das erste Bild zeigt die Milchfütterung eines Feldhasens, das zweite eines Eichhörnchens und das dritte eines Iltis.
Eine einwandfreie Hygiene in der Aufzucht von Jungtieren ist essentiell! Die Verhinderung der Ausbreitung von Krankheitserregern und somit etwaige Infektionen von Jungtieren ist nur durch hygienisches Arbeiten möglich. In der freien Natur sorgen die Elterntiere dafür, das Nest sauber und geruchlos zu halten. Dazu entfernen die Elterntiere die Ausscheidungen der Jungen. Durch Belecken des Anogenitalbereichs kommt es zum spontanen Harn- und Kotabsatz. Bei Vogeljungtieren geschieht dies regelmäßig direkt nach dem Füttern durch die Elterntiere. Durch das Belecken des Bauches (besonders bei Nesthockern) wird die Darmkontraktion zum Weitertransport des Nahrungsbreis unterstützt. Wird dies in der Pflege vernachlässigt, kann es zu schweren Verdauungsstörungen kommen. Das erste Bild zeigt eine Kohlmeise beim Verlassen der Nisthöhle inklusive des Kotes der Jungtiere, zweites und drittes Bild Anogenitalmassage Eichhörnchen und Iltis (hier Harnabgabe auf Handschuh und Tuch ersichtlich)
Es ist gesetzlich vorgeschrieben (Tierschutzgesetz §3 Nummer 4), dass die rehabilitieren Wildtiere vor der Wiederauswilderung/ Freilassung in die Natur, vorbereitet werden müssen, damit das Überleben in dem vorgesehenen Lebensraum möglich ist. Dies gilt insbesondere für Jungtiere und Wildtiere, welche längere Zeit in Pflege waren. Auch der Auswilderungszeitpunkt (Nahrungsangebot, Vogelzug etc.) müssen berücksichtigt werden. Das erste Bild zeigt Singvogelauswilderungsvolieren, welche teilweise geöffnet sind. Hier wird den Vögeln der Zeitpunkt des "Auszugs" ihnen selbst überlassen (Soft Release). Das zweite Bild zeigt ein Auswilderungsgehege für Eichhörnchen in optimaler Umgebung, da ein Übertritt in das natürliche Habitat nach Öffnung des Geheges direkt möglich ist. Hochspezialisierte Hochleistungsflieger, wie die meisten Falken, müssen teilweise falknerisch trainiert werden, damit Beute sicher geschlagen werden kann. (drittes Bild)
Nicht jedes aufgenommene und rehabilitierte Wildtier darf wieder in die freie Wildbahn entlassen werden. Waschbären (erstes Bild) z.B. zählen zu den invasiven Arten und dürfen nach derzeitigem Rechtsstand (2024) nicht wiederausgewildert werden. Wildkaninchen (zweites Bild) dürfen ebenfalls nicht wiederausgewildert werden, dies gilt ebenfalls für Schwarzwild (Wildschweine). Wieder andere Wildtiere sollten möglichst an der ursprünglichen Fundstelle wieder freigelassen bzw. ausgewildert werden, da sie hier eventuell bereits ein Revier für sich beansprucht hatten und die Orientierung leichter fällt. Das dritte Bild zeigt einen Mäusebussard, diese sind sehr territoriale Vögel.
Soft Release wendet man meist bei Jungtieren an und erhöht deren Chancen des langfristigen Überlebens deutlich. Diese Tiere besitzen noch kein eigenes Revier und können daher auch an anderer Stelle, wie dem Fundort, ausgewildert werden. Durch diesen schonenden Auswilderungsprozess kann sich das Wildtier Schritt für Schritt an das Leben in freier Wildbahn gewöhnen. Voraussetzung ist allerdings das Vorhandensein eines Geheges/ Voliere im für das Tier passenden Biotop. Im oberen Bild sehen Sie eine junge Bachstelze auf der geöffneten Klappe einer Auswilderungsvoliere. Das Jungtier hat jederzeit die Möglichkeit in den Schutzraum der Voliere zurückzukehren und das angebotene Futter für sich zu nutzen. Im folgenden Film "Rehabilitation eines verletzten Eichhörnchens" sieht man, dass ein junges Eichhörnchen, nach der Öffnung eines Röhrensystems, jederzeit die Möglichkeit hat, in das sichere Gehege zurückzukehren. Es hat zu jeder zeit die Möglichkeit an Wasser und Futter zu gelangen.
Hard Release -
hier gezeigt mithilfe eines Videos am Beispiel eines Feldhasens, bedeutet das Freilassen der rehabilitieren Wildtiere mittels öffnen der Transportbox. Dies muss in geeigneter Umgebung und geeigneter Tageszeit erfolgen, da dass Tier direkt auf sich selbst gestellt ist.
Die Auswilderung sollte im Idealfall am ursprünglichen Fundort geschehen. Voraussetzung für diese Art des Freilassens ist eine sehr kurze Inobhutnahme des Tieres durch den Menschen. Somit ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass des Revier des wieder genesenen Tieres noch nicht wieder neu besetzt wurde und das Wildtier sich gut darin orientieren kann.
Die gesetzlichen Vorschriften müssen bei der Auswilderung von Wildtieren unbedingt beachtet werden. So ist es z.B. verboten Wildkaninchen oder Wildschweine, ohne Sondergenehmigung der zuständigen Behörde, wiederauszuwildern.
(K)ein Kinderspiel!
zusammengefasst in Bildern mit humorvollen Texten
Übergabe der Stationen an Tierpfleger/in durch vorherige Schichtleitung.
Egal ob Wildsäuger oder Wildvogel, Reptil oder Amphibium... alle haben Hunger! Alle haben andere Bedürfnisse. Da darf nichts schief gehen! Wichtige Zusätze wie Vitamin B bei Schwalben oder Kalzium bei Jungtieren, ein Schuss Fencheltee und Distelöl für die Verdauung bei bestimmten Jungtieren und vieles mehr, wird natürlich nicht vergessen.
Die meisten Behandlungen vom Vortag müssen wiederholt werden. Das Behandlungsbuch checken und los gehts. Das Gewicht der Tiere muss täglich dokumentiert werden, auch ob sie gefressen und Kot abgesetzt haben. Verbandskontrollen, Physiotherapie, was war's gleich noch alles? Nochmals Behandlungsbuch checken.
Es gilt viele hungrige Mäuler und Schnäbel mit den richtigen Leckereien zu stopfen. Naja, natürlich nicht "zu stopfen", aber der ein oder andere Feldhase versenkt den Flaschenaufsatz fast im gesamten im Maul. Wo ist nur die dritte Hand, wenn man sie mal gebrauchen könnte?
Die Reinigung und Desinfektion ist enorm wichtig, auch das Hände waschen zwischen den Patienten/ Pfleglingen, um die Übertragung von Krankheitserreger zu verhindern. Auch die verwendeten Utensilien müssen gründlich gereinigt bis hin zu sterilisiert werden. Ach ja und dann ist da noch der riesen Wäscheberg mit Handtüchern, Laken usw. Gut, dass es dafür eine Waschmaschine gibt. Sind auch wirklich alle Boxen wieder schick?
Natürlich müssen alle Behandlungen, die Gewichtsentwicklung, die Futteraufnahme, der Kot- und Urinabsatz inkl. Konsistenz dokumentiert werden. Wie aufmerksam und mobil waren die Tiere? Wie haben die Wunden ausgeschaut? All dies muss vermerkt werden, um einen Krankheitsverlauf auch für alle Kollegen nachvollziehbar festzuhalten. Wäre da bloß nicht immer diese grausame Handschrift von einigen Kollegen. Das Telefon, na klar! Der nächste Anrufer, welcher Beratung im Falle eines Wildtierfundes wünscht, wartet schon in der Leitung.
Ach ja, und schon ist es wieder soweit, die Fütterung der Jüngsten ist wieder an der Reihe. Auch die Ersatznester sind alle wieder frisch gemacht und weiter geht es im Programm. Schon wieder dieser Feldhase... Ob der Kleine im letzten Bild denkt, es gibt noch Milch für ihn?
Nein, die neuen Patienten warten schon. Assistenz bei Untersuchungen/ Behandlungen durch den Tierarzt/in, Röntgenaufnahmen anfertigen, ok, zugegeben, da muss man kurz draußen warten. Also schon mal parallel Vorbereitungen für einen Flügelverband treffen, Verbandsmaterial bereitlegen. Sind eigentlich bereits alle Medikamente verabreicht? Und? Die nicht vergessen! Natürlich!
Junge Wildtiere haben deutlich kürzere Fütterungsintervalle als ältere Tiere, da sie z.B. pro Mahlzeit weniger aufnehmen können. Massage nicht vergessen, sonst gibt es Bauchweh! Die tierartlichen Unterschiede in der Fütterung sind dem Tierpfleger/in natürlich bekannt. Ganz hungrige Gesellen bedienen sich in der Zwischenzeit selbst, schon wieder dieser kleine Schlingel von Feldhase! Im ersten Bild wollte er noch Milch abstauben, nun widmet er sich dem Grünfutter. Sehr gut, so soll es sein!
Ach so, selbstverständlich wurden, bei all der Arbeit, ganz nach Vorschrift, Pausenzeiten vorbildlich eingehalten. Das Essen der Zweibeiner wurde mindestens mit genauso viel Liebe zum Detail vorbereitet, wie für die Wildtiere auf Station. Danke lieber Pizzabäcker! Tierpfleger teilen auch gerne ihr Mittagessen mit den Kollegen, aber natürlich nicht mit diesem kleinen Kohlmeisenästling!
Der Feierabend nähert sich. Nur noch "schnell" die neuen Patienten des Tages ins System eintragen. Wildtiere, welche verstorben sind oder eingeschläfert werden mussten (wie diese vier abgebildeten), müssen ebenfalls notiert werden. Nicht jedes Tier überlebt und kann ausgewildert oder freigelassen werden. Auch das gehört zum Alltag eines Tierpflegers/in. Die "Abendfütterungsrunde" muss noch vorbereitet werden und natürlich nochmals alle Wildtiere auf dem Plan füttern gehen, die letzten Behandlungen im Behandlungsbuch checken und durchführen, Übergabe an Spätschicht vorbereiten und Telefon umstellen. An alles gedacht, nichts vergessen?
Selbstverständlich fährt der vorbildliche Tierpfleger/ die Tierpflegerin mit dem Rad nach Hause, da die Fitnesstracking Uhr erst 10000 Schritte anzeigt. Da geht noch was! Daheim angekommen und sich gemütlich, bei einer Tasse Tee und etwas gutem zu essen, einkuscheln wollen, steht der Hund freudig vor dem Tierpfleger/in und möchte Gassi gehen. Kein Problem! Die beiden drehen eine gemeinsame Runde, so wird die Tagesfitnessaufgabe sicher gleich zweimal erreicht. Danach ist aber wirklich Feierabend! Und was macht ein Tierpfleger/ eine Tierpflegerin nach Feierabend? Sich weiterbilden, denn, Wissen rettet Leben!
In der Aufzucht/ Pflege von Wildtieren können ohne fundierte fachliche Kenntnisse viele Fehler passieren. Dies hat nicht selten den Tod der Pfleglinge zur Folge. Es ist daher dringend notwendig hilfebedürftige Wildtiere so schnell wie möglich in fachkundige Hände zu geben! Wer Wildtiere pflegen möchte, sollte die Sachkunde und eine Zulassung im Sinne des Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes vorweisen können.
Der zeitliche Aufwand für die Pflege von Wildtieren ist ein oft unterschätzer Faktor! Gerade bei der Versogung von Jungtieren sind die Fütterungsintervalle kurz und die Anzahl der Fütterungen pro Tag hoch. Auch die regelmäßige und gründliche Reinigung und etwaige Behandlungen der Tiere müssen gewissenhaft und fachgerecht durchgeführt werden, damit eine erfolgreiche Wiederauswilderung stattfinden kann.
Rechtlich gesehen übernimmt der Finder mit der Inobhutnahme des Wildtieres auch die finanzielle Verantwortung für das Tier.
Der Staat sieht sich aktuell nicht in der Pflicht sich finanziell bei der Behandlung, Pflege und Wiederauswilderung von heimischen Wildtieren zu beteiligen. Nur wenige Wildttierauffangstationen oder Kliniken werden von offiziellen Stellen finanziell unterstützt. Oftmals werden die Kosten von Ehrenamtlichen getragen.
Selbst nach einer idealen Versorgung und Rehabilitation und Wiederauswilderungsvorbereitung ist eine langfristig erfolgreiche Wiederansiedlung und Eingliederung in die Population und im Idealfall eine erfolgreiche Reproduktion der rehabilitierten Wildtiere nicht immer der Fall. Es gibt auch nach der Wiederauswilderung dieser Wildtiere viele Faktoren, welche zum Tod des Wildtieres führen können. Auch diese Tiere sind den natürlichen Prozessen in freier Wildbahn ausgeliefert. Konkurrenz durch andere Artgenossen oder die Gefahr durch Fressfeinde gejagt, verletzt oder gefressen zu werden, besteht auch für diese Individuen. Gefahren während des Vogelzuges wie z.B. illegal aufgespannte Vogelnetze, Anflugtraumata aufgrund von ungesicherten Glasfronten oder Verkehrsunfälle während der Überquerung von Straßen oder Bahngleisen auf der Suche nach neuen Revieren oder Partnern. Aber auch Todesfälle durch Umweltverschmutzung sind keine Seltenheit.
Viele Gefahren für Wildtiere und die daraus oftmals entstehende Hilfsbedürftigkeit für die Wildtiere werden nichtselten von Menschen verursacht. Hier seien nur ein paar Beispiele genannt - Vogelschlag durch Glasflächen oder Windkrafträdern, Straßenverkehrsopfer, Mähroboterverletzungen, Wildtierverluste durch Umweltverschmutzung etc. Wildtieren Hilfe zu leisten kann daher aus gesellschaftlicher und moralischer Sicht als unserer aller Pflicht angesehen werden.
Nimmt man ein Wildtier in menschliche Obhut, greifen für dieses die Regelungen nach dem deutschen Tierschutzgesetz.
Im folgenden Video wird die Aufnahme, chirurgische, medikamentöse und nutritive Versorgung, Pflege und das Einsetzen eines genesenen Weißstorchjungtiers in ein Ammennest, mit bereits drei vorhandenen Weißstorchjungtieren in ähnlichem Alter und Gewicht bzw. Größe, gezeigt. Ein Einsetzen war möglich, da ausreichend Nahrung vorhanden war und die natürliche Jungtierzahl nicht überschritten wurde. Der Weißstorch zählt zu den streng geschützten Vogelarten und genießt daher einen besonderen Schutzstatus. Die Vorgehensweise wurde mit der Naturschutzbehörde abgesprochen. Zu Beginn sah alles nach einer Erfolgsgeschichte aus. Doch es kam anders als alle gehofft hatten! Doch sehen Sie selbst!
Nicht selten verenden Wildtiere aufgrund von Umweltverschmutzung. Schildkröten und Wassergeflügel mit Angelhaken im Magendarmtrakt, verendete Igel, welche in Plasiktüten nach Nahrungsresten gesucht haben und nicht mehr hinausfanden, Wildtiere mit abgeschnürten Gliedmaßen, erfrorene Vogelküken aufgrund verbautem Plastikmaterials im Nest/ Horst und dadurch resultierenden Abflussstörungen des Regenwassers.
Dies sind nur wenige Beispiele, welche exemplarisch für viele weitere Todesfälle aufgrund von Umweltverschmutzung stehen.
Eine Erfolgsgeschichte?
Einige Auffangstationen machen sich zusätzlich die Aufklärung für das Bewusstsein der Öffentlichkeit in Bezug auf den Erhalt der biologischen Vielfalt, insbesondere durch Informationen über die zur Schau gestellten Arten und ihrer natürlichen Biotope zur Aufgabe. Sie zählen nach dem Bundesnaturschutzgesetz § 42 zu den "Zoos", wenn sie dauerhafte Einrichtungen sind, in denen lebende Tiere wild lebender Arten zwecks Zurschaustellung während eines Zeitraumes von mindestens sieben Tagen im Jahr gehalten werden.